Fondsgebundene Lebensversicherung widerrufen

Fondsgebundene Lebensversicherung widerrufen statt kündigen. Fondsverluste müssen sich Verbraucher anrechnen lassen

Widerruf fondsgebundene Lebensversicherung mit dem Fondsverluste anrechnen lassen als Wermutstropfen
Die Kapitallebensversicherung wird in ebenso unterschiedlichen wie vielfältigen Varianten als eine geradezu traditionelle Form der Altersvorsorge genutzt. Bei jeder von ihnen stehen Vermögensbildung und Kapitalvermehrung im Vordergrund. Eine zunehmend beliebte Form ist die fondsgebundene Lebensversicherung. Hier ist der gesamte oder teilweise Leistungsanspruch unmittelbar an die Wertentwicklung eines Fonds gebunden. Die Kapitalanlagen des Versicherers werden auf Rechnung und Risiko des Versicherten gehalten. Jegliche Wertveränderungen gehen Eins zu eins zu Lasten bzw. zu Gunsten des Versicherungsnehmers. Das betrifft sowohl die Gewinne als auch die Verluste spätestens bei einer Auszahlung Lebensversicherung. Darüber hinaus muss sich der Versicherte mögliche Fondsverluste anrechnen lassen, wenn er sich für einen Widerruf fondsgebundene Lebensversicherung entscheidet.

Auch fondsgebundene Lebensversicherungen können widerrufen werden 

Etwas im rechtlichen Sinne zu widerrufen ist nicht immer einfach. Der Widerruf gilt als ein wichtiges Recht des Verbrauchers in Alltagsgeschäften. Er hat die entscheidende Wirkung, dass der Verbraucher nach Ausübung des Widerrufrechts nicht mehr an den Vertrag gebunden ist. Die von ihm vor Jahren oder gar Jahrzehnten abgegebene Willenserklärung ist, wie es genannt wird, hinfällig. Das betrifft auch die Kapitallebensversicherung. Sie gehört nach wie vor zu den vielgefragten privaten Maßnahmen für die private Altersversorgung.

Vor allem die Verträge aus den 1980er- und 1990er-Jahren waren mit Kapitalbildung, Zinsen und Überschüssen eine sichere Bank für das spätere Rentenalter. Doch die Zeiten, in denen der Versicherte mit einer höheren Auszahlung Lebensversicherung positiv überrascht wurde, sind längst passee. In der heutigen Zeit hat die Null- und Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zur Folge, dass die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen, wenn überhaupt, nur noch marginale Gewinne erwirtschaften können. Dementsprechend mager sind die von der Höhe her nicht vertraglich garantierten Zinsen und Überschüsse. Das bringt so manche Altersvorsorge ins Wanken, weil sich das Netto unterm Strich deutlich reduziert.

Wer in dieser Lage ist oder für wen diese Situation absehbar ist, der sucht nach Möglichkeiten, um aus dem Dilemma herauszukommen. Eine reelle Möglichkeit dazu ist ein Widerrufen der Lebensversicherung aus Formmängeln. Solch ein Formmangel ist die fehlende oder fehlerhafte Widerrufbelehrung. Aufgrund mehrerer höchstrichterlicher Urteile des Bundesgerichtshofes BGH ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, die Lebensversicherung zu widerrufen mit der Folge, dass der Versicherer den Versicherungsvertrag rückabwickeln muss. Im Ergebnis wird dieser für den Versicherten mittlerweile ebenso unliebsame wie unrentable Vertrag aufgehoben. Der kann sich jetzt neu und anders orientieren. Bestenfalls ergibt sich durch die Rückabwicklung noch ein deutlich höheres Guthaben für den Versicherungsnehmer als bei einer Vertragskündigung mit der anschließenden Auszahlung Lebensversicherung.

Doch ist auch ein Widerruf fondsgebundene Lebensversicherung möglich?

Fondsgebundene Lebensversicherung zwischen 1994 und 2007 widerrufen 

Das sich aus den BGH-Entscheidungen ergebende Widerrufrecht bezieht sich auf diejenigen Lebensversicherungen, die in dem Zeitraum vom 29.07.1994 bis zum 31.12.2007 abgeschlossen worden sind. Zu denen gehört als Versicherungsform auch die fondsgebundene Lebensversicherung. Das Interessante daran ist, das dieses Widerrufrecht sowohl für noch laufende als auch für bereits gekündigte Lebensversicherungen gilt. Entscheidend ist einzig und allein, ob beziehungsweise dass der Vertrag in diesem Zeitraum abgeschlossen worden ist. Zum besonderen Charakter jeder fondsgebundenen Lebensversicherung gehört deren Volatilität in Bezug auf Chance und Risiko. Das ist ein entscheidender Punkt beim Widerruf der fondsgebundenen Lebensversicherung. Denn nach einer weiteren BGH-Entscheidung aus November 2015 muss sich der Versicherte bei einer Rückabwicklung nach Widerruf die Fondsverluste anrechnen lassen.

Bei einer normalen, der klassischen Lebensversicherung werden die Sparanteile, und zwar inklusive der Nutzungsentschädigung als Ersatz für die Verzinsung, erstattet. Sie richtet sich nach den Renditen, die der jeweilige Versicherer erwirtschaftet hat. Im Laufe der Jahre hat sich eine Spanne zwischen vier und sieben Prozent herauskristallisiert. Mit einem Widerspruch gegen die Lebensversicherung gemäß § 5a VVG alte Fassung [a. F.] geht es bei der Lebensversicherung im Kern darum, ob der Versicherer den Kunden nicht oder nur in unzureichender Weise über seine Widerspruchsmöglichkeiten aufgeklärt hat. Ist dies der Fall, dann gilt das Widerspruchsrecht auf jeden Fall und ganz unabhängig davon, ob es sich um einen klassischen Vertrag oder um eine fondgebundene Versicherung handelt. In dem BGH-Urteil ist nicht näher definiert, in welchem Umfang und Ausmaß sich der Versicherungsnehmer die Verluste aus der Fondsanlage anrechnen lassen muss.

Widerruf allemal günstiger als Kündigung 

Ganz allgemein gilt auch für fondsgebundene Lebensversicherungen, dass ein Widerruf mit der Rückabwicklung finanziell lukrativer ist als die Kündigung des bestehenden Vertrages. Denn der Rückkaufwert nach Kündigung ist in vielen Fällen erfahrungsgemäß deutlich niedriger als die zuvor eingezahlte Beitragssumme. Bei Widerspruch + Rückabwicklung werden nahezu alle gezahlten Beiträge erstattet, und das zusätzlich einer Nutzungsentschädigung.

Als Fazit bleibt festzuhalten 
dass es sich für jede der in dem betreffenden Zeitraum abgeschlossenen fondsgebundenen Lebensversicherung lohnt, den Vertrag auf einen Widerruf hin zu prüfen beziehungsweise prüfen zu lassen. Das ist nicht immer einfach und bedarf im Einzelfall auch einer juristischen Bewertung. In der Regel kann mit einem zweifachen Erfolg gerechnet werden.

• Zum einen ist der unliebsame, sprich unrentable Vertrag nicht mehr existent. Der Versicherungsnehmer hat den Rücken frei und kann sich jetzt nach einer besseren Alternative umsehen

• Zum anderen wird die Rückabwicklung mit einer Erstattung der gezahlten Beitragssumme durch die „hochprozentige Nutzungsentschädigung versüßt“, die in dieser Höhe als Habenzinsen oftmals gar nicht erzielbar gewesen wäre

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen bleibt als der einzige Wermutstropfen die Anrechenbarkeit möglicher Fondsverluste. Doch auch die lassen sich vor dem Hintergrund verschmerzen, dass es jetzt nur noch vor- respektive aufwärts geht.