Informationen über Kurzarbeit für Arbeitnehmer

Für den Arbeitsmarkt entstehen deutliche Auswirkungen durch die Corona-Krise. In Deutschland mussten beinahe eine halbe Million Unternehmen Kurzarbeit anmelden. Das hat vor allem für Arbeitnehmer finanzielle Auswirkungen. Das sollten Betroffene nun wissen:

Die Wirtschaft wird von der Corona-Krise immens ausgebremst. In vielen Betrieben und Branchen musste aufgrund der Kontaktsperre die Arbeit eingestellt werden, da natürlich nicht jegliche anfallenden Arbeiten von Zuhause durchgeführt werden können. Dies bringt viele Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler in finanzielle Probleme. Folglich haben sie für ihre Angestellten sehr viel weniger oder sogar gar keine Arbeit mehr. Damit die Firmen ihre Mitarbeiter durch diese Umstände nicht entlassen müssen, gibt es das Kurzarbeitergeld.

Worum handelt es sich bei Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld wird von der staatlichen Arbeitslosenversicherung geleistet. Angestellte haben Anspruch auf das Kurzarbeitergeld, wenn der Arbeitgeber sie nicht mehr in vollem Umfang beschäftigen kann und dies bei der jeweiligen Agentur für Arbeit angezeigt hat. Meist resultiert das Kurzarbeitergeld aus der schlechten wirtschaftlichen Lage eines Betriebes.

Bedingt durch die Corona-Krise wurde vom Bundestag ein neues Gesetz bezüglich des Kurzarbeitergeldes https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw11-de-ausbildungsfoerderung-686436 beschlossen:

  • Kurzarbeitergeld kann bis zum 31. Dezember leichter gewährt werden, als bisher
  • Wenn mindestens 10% (zuvor lag die Grenze bei einem Drittel) der Angestellten von einem Arbeitsausfall betroffen sind, kann die Leistung auch rückwirkend zum 1. März gewährt werden
  • Angestellte müssen durch den Arbeitgeber nicht mehr zu Minusstunden aufgefordert werden, um der Kurzarbeit aus dem Weg zu gehen

Auf diese Weise erhalten Beschäftigte das Kurzarbeitergeld

Die Leistung muss bei der Agentur für Arbeit vom Arbeitgeber beantragt werden. Zuvor müssen die Arbeitnehmer über diesen Schritt informiert werden. Meist werden von Betriebsrat und Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung getroffen. Verfügt der Betrieb über keinen Betriebsrat müssen die betroffenen Beschäftigten eine Einverständniserklärung unterzeichnen.

Höhe des Kurzarbeitergeldes

Finanzielle Einbußen der Beschäftigten sind durch Kurzarbeit nicht vermeidbar. Die Bundesagentur zahlt 60% des Nettolohnausfalls. Arbeitnehmer mit Kindern stehen 67% zu. Auch ältere Kinder bis zu einem Alter von 25 Jahren können hier ggf. berücksichtigt werden.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Ein Beschäftigter hatte bisher einen Verdienst von 3.000 Euro netto. Durch die geringere Arbeitszeit erhält er nun lediglich 1.000 Euro nette. Es fehlen folglich 2.000 Euro. Von dieser Summer werden 60%, also 1.200 Euro, von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Der Arbeitnehmer erhält also 2.200 Euro netto, statt zuvor 3.000 Euro netto. Für den Fall, dass der Arbeitnehmer gar nicht mehr arbeiten kann, also überhaupt keinen Verdienst mehr hat, bekommt er 1.800 Euro. Also 60% von 3.000 Euro.

Einige Arbeitgeber gewähren ihren Arbeitnehmer einen Zuschuss, um die Einkommensverluste für die Beschäftigen so gering wie möglich zu halten. Die Hans-Böckler-Stiftung des WSI-Institutes zeigt hierzu eine Untersuchung: https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-21966.htm. Die Beschäftigten erhalten mit diesem Zuschuss etwa 75 bis 97% ihres Nettogehalts. Weitere Infos zum Kurzarbeitergeld sind auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit erhältlich: https://www.arbeitsagentur.de/finanzielle-hilfen/kurzarbeitergeld-arbeitnehmer .

Durch die derzeitigen Geschehnisse kämpft Hubertus Heil, der Bundesarbeitsminister von der SPD, für ein höheres Kurzarbeitergeldes. Er möchte damit den Arbeitnehmern helfen, die wenig verdienen und keinen Zuschuss zu der Zahlung vom Staat erhalten. Es sollen Verhandlungen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern zu diesem Vorhaben folgen.

Kurzarbeitergeld und Nebenjob

Arbeitnehmern, die bereits vor der Anmeldung der Kurzarbeit einen Nebenjob hatten, dürfen diesem auch weiterhin nachgehen. Es gibt dadurch laut Aussagen des Bundesministeriums für Arbeit und soziales https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/kug-faq-kurzarbeit-und-qualifizierung.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D9+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de keine Auswirkungen auf das Kurzarbeitergeld. Wird eine Nebentätigkeit erst nach der Anmeldung der Kurzarbeit begonnen, wird dieser Verdienst auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Hier gibt es jedoch eine Ausnahme für die „systemrelevanten“ Bereiche, welche bis zum 31. Oktober 2020 gilt. Nebenverdienste aus diesen Bereichen, wie etwa Landwirtschaft und Gesundheitsbereich, werden nicht angerechnet, sofern der Verdienst nicht höher ist, als der Lohn vor der Kurzarbeit.

Regelungen bezüglich Urlaub, Zeitguthaben und Überstunden

Nur bei Unvermeidbarkeit eines Arbeitsausfalles der Mitarbeiter kann ein Kurzarbeit durch einen Betrieb angemeldet werden. Diese Regelung steht im Sozialgesetzbuch III. Es muss seitens des Arbeitgebers alles getan werden, um eine Kurzarbeit zu beheben, oder zu vermindern. Dem Beschäftigten kann also vom Arbeitgeber auferlegt werden, Überstunden bzw. Zeitguthaben aufzubrauchen. Wurden einem Beschäftigten due Urlaubstage eines noch nicht genehmigt, kann der Vorgesetzte den Arbeitnehmer auch zuerst einmal in den Urlaub schicken. Ein schon genehmigter Urlaub kann hierbei jedoch nicht einfach gestrichen werden. Im Gegenzug können Arbeitnehmer ihre bereits genehmigten Urlaubstage aber auch nicht einfach absagen und auf einen anderen Zeitpunkt verschieben.

Es gibt keine einheitliche Regelung über die Anzahl der Tage, die ein Beschäftigter in den Urlaub geschickt werden kann. Es wird in diesem Zusammenhang geschätzt, dass Arbeitnehmer bis zu zwei Drittel ihrer Urlaubsanspruchs zur Vermeidung einer Kurzarbeit einsetzen müssen.